Ling Long 1934  © Columbia Univesity Libraries

Ling Long 1934 © Columbia Univesity Libraries

Meine drei Lieblingsregisseure darf man nicht zusammensperren, denn sobald sie gemeinsam in einem Raum sind, witzeln sie herum und suchen sich in Wortgefechten zu übertreffen. Wirklich, oft tut mir der Bauch vor Lachen weh, nichtsdestotrotz sind sie drei Schätze.

Als ersten von ihnen kannte ich Li Pingqian (李萍倩), danach Xu Xinfu (徐欣夫) und schließlich Cheng Bugao (程步高).

Der schnurrbärtige Herr Li Pingqian hat – das versteht sich von selbst – einen kleinen Oberlippenbart. Hinter seinen langen Wimpern verbergen sich glänzend schwarze Augen, die ab und zu geheimnisvoll strahlen. Das macht ihn schwer durchschaubar.

Er ist ein erfahrener Regisseur, der sich um jeden einzelnen Schauspieler kümmert. Er erklärt Handlung und ihre Darstellung bis ins kleinste Detail. Er ist verantwortungsvoll, trotzdem macht er oft schöne Momente zunichte. Denn er ist impulsiv und auch ein bisschen feige, nur manchmal rafft er seinen Mut zusammen. Im Grunde ist er ein gefühlvoller Mensch.

Er trinkt gerne, besonders dann, wenn er in Herzensdingen nicht glücklich ist. In letzter Zeit aber scheint, was die Herzensangelegenheiten betrifft, es besser zu laufen. Ich glaube daran, dass er ein fortschrittlicher Mensch ist. Aber momentan ist ihm das gleichgültig.

Seine Klugheit und Energie scheinen fast übernatürlich, doch unbewusst benimmt er sich manchmal trotzig wie ein Kind. Manchmal würdigt er Leute keines Blicks oder schlägt Lärm wie eine Horde Affen.

Der wohltemperierte Xu Xinfu ist der älteste von den dreien, sieht jedoch am jüngsten aus. Er ist ein glücklicher Mensch, weckt den Sinn für das Schöne und lächelt immer.

Selbstverständlich ist er nicht ungeduldig. Einmal kam ich mit seiner Frau zu ihm nach Hause. Wir waren verabredet auszugehen. Aber ich wartete und wartete, wartete, dass dieser glückliche Regisseur sich rasierte. Das dauerte fast eine Stunde. Es war wirklich hart. Seine Frau hat gelernt, sich wie ein sanftes, zurückhaltendes Frauchen zu benehmen. Sie saß neben ihm, blickte ihn zärtlich an, bevor sie ihm zuflötete: „Beeil dich ein bisschen, sonst wird sie ungeduldig.“

Er ist nicht so emotional wie die anderen beiden Regisseure und deshalb wohl auch ein bisschen dicker. Hobbys hat er keine, abgesehen davon, dass er gerne Opern singt. Aber das tut er wahrscheinlich seiner Frau zuliebe. Neuerdings mag er auch Tischtennis. Wahrscheinlich weil sie ihm gesagt hat, er solle sich bewegen, sonst werde er noch dicker und sehe aus wie ein westlicher Wonneproppen.

Unter der Regie von Herrn Cheng Bugao hatte ich, seit ich in der Mingxing bin, noch nie gedreht. Und jetzt, bei „Seidenraupen im Frühling“ ist es so, dass – je besser ich sein will, desto mehr Angst habe ich und desto schlechter bin ich. Durch ihn bin ich reifer geworden, mein Spiel ist weniger aufgesetzt. Er hat mir schon zwei Mal gesagt, dass ich dieses Mal besser meine eigenen Gefühle zum Ausdruck bringe.

Seine lange dünne Gestalt und die markante Stimme wirken recht ungewöhnlich. Aus seiner mal begeisterten mal entmutigenden Rede erfährt man, in welchem seiner zahlreichen geliebten Flüsse er gerade geschwommen war. Oft schimpfte er hässlich auf die Frauen, nannte sie Kopfschmerzen bereitende Wesen. Doch nicht mehr in letzter Zeit, das ist merkwürdig, sehr merkwürdig. Er ist ebenso impulsiv wie Li Pingqian und verwickelt sich dadurch in letzter Zeit in Widersprüche.

(The Screen Pictorial电影画报, August 1933)