Eine Landschaft wie gemalt, in Gau-und Brauntönen, doch ihre Geometrie irritiert, dann plötzlich eine Explosion, Ascheregen. Wie das mythische Ungeheuer Behemoth fressen sich Maschinen durch die Erde, werden Landschaften umgegraben., verschlingen die Steppe, vertreiben die an deren Rändern lebenden Menschen samt Schafen. Dazu erhebt sich der elegische Obertongesang der Tuwa. Auf dem Filmfestival in Venedig 2015 feierte Behemoth 悲兮魔兽 seine Weltpremiere.

Ich wollte etwas zum Thema Umwelt machen, denn an diesem Problem kommt man in China nicht vorbei. Am augenfälligsten fand ich bei meinen Recherchen die riesigen Kohletagebaue in der Inneren Mongolei. Die visuelle Qualität des Ortes war ausschlaggebend, hier zu drehen. Hinzu kam die Knochenarbeit der Menschen hier, einer Arbeit, auf der unser heutiger Wohlstand errichtet ist.“ Nahaufnahmen zeigen die Arbeiter im Kohlestaub, der sich nicht mehr von den Gesichtern waschen lässt oder in der Gluthitze des Stahlwerkes, der sie fast ungeschützt ausgesetzt sind. Die Bilder lassen den Atem stocken, während sich der Soundtrack der Schmerzgrenze nähert. Staub und Hitze zerfressen die Lungen der Arbeiter. Und wofür? Für die Errichtung eines Paradieses, wie der Geisterstadt Ordos, einer gigantischen Fehlplanung. „Ich ließ mich von einem über 600 Jahre alten Buch inspirieren. Darin ist es dem Autor gelungen, die Gegensätze von Hölle und Paradies zu vereinen. Etwas ähnliches schwebte mir vor.“ Wie in Dantes Göttlicher Komödie lässt sich der Erzähler über die grauschwarzen Halden des Fegefeuers führen, filmt die glutrote Hölle des Stahlwerkes und schließlich das Paradies unter blauem Himmel. Dazwischen der Mensch, nackt und schutzlos in weiter Landschaft. Aber „als Konsument ist jeder von uns Teil dieses Monsters“. Unwillkürlich zuckt man zusammen vor der Simplizität dieses Gleichnisses, und dann reißen einen die grausam-schönen Bilder fort.

Zhao Liang (赵亮) gehört zu den spannendsten chinesischen Dokumentaristen der jüngeren Zeit. 1971 geboren, studierte er an der Lu Xun Fine Art Academy (鲁迅美术学院) und lebt seit Anfang der 1990er Jahre in Peking. Von da an durchquerte er mit der Kamera das Land. In Filmen, Fotografien und Videoinstallationen zeigt er ein China abseits der gängigen Reiserouten und des quirligen städtischen Alltags. Seine Verantwortung als Dokumentarfilmer liege darin, den Dingen auf den Grund zu gehen, von deren Existenz viele Menschen nicht einmal ahnten.

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Der Dokumentarist und Fotograf Zhao Liang – Meine Sprache sind Bilder
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