Das Schönste am Berliner Winter ist die Berlinale, wenn einen im Kinosaal Licht und Schatten fremder Leben verzaubern.
Die flüchtige Realität festhalten (Berlinale 2015)



Das Schönste am Berliner Winter ist die Berlinale, wenn einen im Kinosaal Licht und Schatten fremder Leben verzaubern.

Ist der chinesische Film wieder im Kommen? Zumindest hat man den Eindruck, denn nicht nur seine Anzahl war recht beeindruckend, sondern der goldene Bär für den besten Film ging an „Bairi Yanhuo“ (白日焰火, Black Coal, thin Ice ) von Diao Yinan, der silberne Bär für den besten Darsteller an Liao Fan aus demselben Film und der silberne Bär für die beste Kamera an Zeng Jian für „Tui Na“ (推拿,Blind Massage). Das ist bereits der 4. goldene Bär für einen Film aus China seit 1988.

Es war eigentlich keine besonders „chinesische Berlinale“, wäre da nicht dieser Jurypräsident zum Niederknien: Wong Kar-Wai mit seinem Markenzeichen, der dunklen Sonnenbrille.

Wieder Februar – wieder Berlinale-Zeit. Ein Blick ins Programmheft ernüchterte zu hohe Erwartungen an chinesische Filme. Man setzte in diesem Jahr vor allem auf große Namen und Altbewährtes: Bitte keine Experimente.

Die diesjährige Berlinale war im Hinblick auf China ganz entspannt, denn das Programm gab nicht mehr als vier chinesische Filme her.

Es gibt im Gegenteil nichts schöneres, als vor dem grauen Berliner Winter in den warmen Kinosaal zu flüchten und sich dort mitnehmen zu lassen auf Reisen in wärmere Jahreszeiten und ferne Länder, womöglich auch in Epochen, die man eigentlich nicht so gern wiedersehen möchte.

Der goldene Bär ging an Wang Quan’an und seinen Film Tuya de hunshi (Tuya’s Wedding). 19 Jahre ist es her, dass Zhang Yimou diesen Preis für Hong gaoliang (Das rote Kornfeld) bekam und damit der Siegeszug des chinesischen Kinos durch die Kinosäle der westlichen Welt begann. Heute bedeutet die Ehrung erneut eine Anerkennung für den Nicht-Mainstream.
Als ich das Programmheft zur diesjährigen 56. Berlinale durchblätterte, freute ich mich besonders neben bekannten Namen des chinesischen Films wie Chen Kaige oder Zhang Yuan auch den von Royston Tan aus Singapur zu lesen. Seit der Wiederbelebung des Films in Singapur Mitte der 90er Jahre und v.a. seit seiner offiziellen Anerkennung als Kunst durch das National Arts Council befindet sich die Filmindustrie des Landes im Aufschwung.

Es sind durchaus nicht alle Filme eines Festivals, deren Bilder lange im Gedächnis bleiben. Seit der Berlinale 2005 sind einige Monate ins Land gegangen und ich will mich an dieser Stelle an zwei von ihnen erinnern, zwei Filme, die damals zu meinen Favoriten zählten und die bis heute nichts von ihrer Präsenz eingebüßt haben: Niu pi (Oxhide) und Kekexili (The Mountain Patrol). So unterschiedlich beide Filme auf den ersten Blick sind, lassen sich bei näherer Betrachtung immer mehr Ähnlichkeiten finden, und das v.a.in formaler Hinsicht. Beide Filme gehören zur Spezies der dokumentarischen Spielfilme:

Eins wurde ganz deutlich: der Generationswechsel in der chinesischen Filmszene. Und das nicht nur, wenn man Namen und Biographien der Regisseure betrachtet, sondern auch die Art und Weise der Verarbeitung von Themen und Sujets.