Vee Leong: Das europäische Gegenwartstheater in Hongkong

Ein wichtiger Bestandteil der hybriden Kultur Hongkongs war immer, Dinge von außen zu absorbieren. Der Einfluss des ausländischen Theaters verschob sich von der Dominanz des europäischen und amerikanischen Theaters in den frühen Jahren hin zum vermehrten Austausch mit asiatischen Theaterkulturen, z.B. Japan, Taiwan, Singapur. Wichtig dabei ist, dass stärker als vorher die eigene Originalität auf dem Weg zu einem eigenständigen Hongkonger Theater in den Vordergrund gestellt wurde.

Red (红): Durch Körperperformance die Geschichte erlebbar machen

Ausgangspunkt für das Dokumentartheaterstück „Red (红)“ von Wen Huis Living Dance Studio (生活舞蹈工作室) war die Modelloper „Das Rote Frauenbataillon“ aus der Zeit der Kulturrevolution. Zhuang Jiayun, die für Text und Konzeption verantwortlich zeichnete, lässt die Arbeit an dem Stück noch einmal Revue passieren; ein Stück, in dem der Körper als Modell fungiert, die Vergangenheit zu erkunden.

„Li Wen at East Lake“ von Li Luo (2015)

„Li Wen at East Lake“ von Li Luo (2015)

Li Luo (李珞), geb. 1978, dreht sehr eigenwillige Filme, die durch Minimalismus und Improvisation aus dem Kontext eines mainstreamorientierten Kinos herausfallen. Es sind Filme, die man aus China nicht erwartet: Sein 2012 entstandener Film Emperor Visits Hell (唐皇游地府) ist beispielsweise eine eine moderne, sehr nüchterne Adaption einer Episode aus dem Roman Die Pilgerreise nach dem Westen (西游记) unterlegt mit dem Gesang Klaus Nomis. Im Anschluss an die Aufführung von Li Wen at East Lake (李文漫游东湖) im Oktober 2015 wurde im Sifang Art Museum Nanjing das folgende Gespräch geführt.